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Wildenauer-Józsa, Doris Sprachvergleich als Lernerstrategie Eine Interviewstudie mit erwachsenen Deutschlerne
Freiburg 2005, ISBN 978-3931240-30-1, 272 Seiten, Euro 16 Das Erlernen von Fremdsprachen ist ein eigenaktiver Prozess, in den die Lernenden eine Fülle von vorgeprägten Strukturen mitbringen. Diese sind durch Beobachtung nur schwer zugänglich, daher ist es eine anerkannte Methode, Lernende zu befragen, wie sie ihr Lernen steuern. Die Antworten setzen aber eine gewisse Bewusstheit des Lernprozesses beim Lernenden voraus.
In der vorliegenden Interviewstudie wurden junge Erwachsene, die sich im Sprachenkolleg Freiburg auf eine deutsche Prüfung für den Hochschulzugang vorbereiten, nach der Art und Weise ihres Deutschlernens und insbesondere nach der Nutzung des Sprachvergleichs beim Lernen im lexikalischen und syntaktischen Bereich gefragt: Wie setzen Erwachsene ihre Sprachkenntnisse ein, um eine Fremdsprache zu lernen? Sind die vorhandenen Sprachen eher störend oder hilfreich beim Sprachenlernen? Die Untersuchung dieser Gruppe ist deswegen interessant, weil alle Lernenden schon eine andere Fremdsprache – meist Englisch – gelernt haben und weil sie verschiedene Erstsprachen mitbringen.
Die Ergebnisse machen deutlich: Der Sprachvergleich ist eine wichtige Lernerstrategie erwachsener Deutschlernender ist, die über institutionell erworbene Sprachenkenntnisse verfügen. Dabei sind für die Lernenden nicht nur dem Deutschen nah verwandte Sprachen wie Englisch eine Hilfe. Auch z.B. Japanisch oder Mongolisch als Muttersprache der Befragten werden für den Sprachvergleich herangezogen und als Lernhilfe genutzt. Eine lernunterstützende Wirkung kann sich aus dem Bewusstwerden der Unterschiede ergeben und ist somit nicht auf Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen beschränkt. Für die meisten Lernenden bedeutet der Sprachvergleich hauptsächlich eine Ökonomisierung des Lernprozesses, d.h. die neue Sprache kann durch kontrastive Bewusstmachung schneller und einfacher gelernt werden. Für manche Lernende wird außerdem durch die Beschäftigung mit sprachlichen Phänomenen Interesse für sprachvergleichende Betrachtungen geweckt, ja sogar neue Erkenntnisse über die Erst- oder Muttersprache entstehen häufig. Sprachvergleich ist also eine bewusstseinsfähige und vom Lernenden intendierte eigenaktive Lernerstrategie.
Die Studie ordnet sich, wie im ersten Teil ausführlich begründet wird, in kognitivistisch-konstruktivistische Forschungen ein. Ein expliziter Vergleich mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen wird vorgenommen. Alle Interviews sind in Transkription auf einer CD enthalten, die separat bestellt werden kann, ebenso die Ausarbeitung aller Lernerprofile.
Für den fremdsprachlichen Deutschunterricht bedeuten die Ergebnisse, dass der Sprachvergleich stärker in das Unterrichtsgeschehen einbezogen werden sollte, um eine wichtige Lernerstrategie zu fördern und für den Lernprozess zu nutzen. Wie sprachvergleichendes Arbeiten konkret im Unterricht aussehen kann, wird anhand einiger Beispiele abschließend erläutert. - Inhaltsverzeichnis - Buch bestellen |